Eine neue und sehr interessante
Querauswertung der Antisemitismuspunkte aus dem Heitmeyer´schen GMF-Survey,
die uns freundlicherweise (dank der Amadeu Antonio
Stiftung) zur Verfügung gestellt
wurde....
Der Autor Andreas Zick gibt darin darüber Auskunft, wieviele
Deutsche insgesamt diesen Punkten in
einem oder mehreren Facetten zustimmen. Deutlich wird hier auch, wie viele
derjenigen, die Israel kritisieren, gleichzeitig einem der antisemitischen
Facetten zustimmen bzw. umgekehrt wie wenige es nicht tun. Das Ergebnis ist
leider bedrückend!
HINWEIS ZU UNSERER MAILINGLISTE...
Der nachfolgende
Pressespiegel soll dazu beitragen ein möglichst WAHRHAFTIGES Bild
über alles Rund um das Thema "Antisemitismus" zu bekommen.
Die hier
veröffentlichten Artikel repräsentieren nicht in jedem Fall die Meinungen der
Redaktion, oder der restlichen Mitglieder der Honestly-Concerned Mailingliste.
Dies gilt i.B. für die im letzten Abschnitt dieser Ausgabe veröffentlichten
Leserbriefe und -beiträge einzelner Mitglieder.
JEDE
WEITERVERÖFFENTLICHUNG DER BEI UNS VERÖFFENTLICHTEN BRIEFE ODER KOMMENTARE, OHNE
VORHERIGE GENEHMIGUNG DER URSPRÜNGLICHEN ABSENDER ODER DER REDAKTION, IST STRIKT
UNTERSAGT!
TEIL 1 – Kurzbericht aus dem GMF-Survey - Antisemitismus in
Deutschland...
Kurzbericht aus dem GMF-Survey, 2005/1
(Die hier zusammengefaßten Ergebnisse finden sich in einer längeren Version in: Zick, Andreas/Küpper, Beate (2005). Transformed anti-Semitism -A report on anti-Semitism in Germany. In: Journal für Konflikt-und Gewaltforschung, 1. In Teilen finden sich die Ergebnisse auch bei Heyder, Aribert/Iser, Julia/Schmidt, Peter (2005). Israelkritik oder Antisemitismus? Meinungsbildung zwischen Öffentlichkeit, Medien und Tabus. In Heitmeyer, Wilhelm (Hrsg.), Deutsche Zustände, Folge 3. Frankfurt a.M.: edition suhrkamp.)
Antisemitismus in Deutschland
Andreas Zick (Institut für Interdisziplinäre Konflikt-und Gewaltforschung Universität Bielefeld) & Beate Küpper (Bergische Universität Wuppertal)Zustand
Der Antisemitismus in Deutschland ist auch im Jahr 2005 alarmierend. Es scheint einen erhöhten Zuspruch zu einer rechtspopulistischen Propaganda, die antisemitisch argumentiert, zu geben (Stichwort: Walser, Möllemann, Hohmann). 60 Jahre nach Kriegsende und dem Versterben der letzten Zeitzeugen werden Forderungen nach einem Schlußstrich unter die Geschichte des Holocaust mit dem Versuch sich der Kollektivschuld und Verantwortung zu entledigen lauter. Hinzu kommt eine mit der 2. Intifada neu belebte antisemitische Israelkritik in der Linken (Stichwort: Globalisierungsgegner). Analysen von Medienberichten über Juden, das Judentum und Israel zeigen darüber hinaus, daß die Medien antisemitische Stereotype und Vorurteile transportieren, was sich insbesondere in der Berichterstattung über den Israel-Palästina-Konflikt zeigt. Zudem ist ein Anstieg antisemitischer Straftaten zu beobachten, dessen Hintergründe und Täter allerdings umstritten sind (s. hierzu den Verfassungsschutzbericht 2004).
Antisemitismus in großen Meinungsumfragen
Mit dem Wiederaufleben des Palästina-Konflikts im Jahre 2000 sind eine Reihe von Meinungsumfragen von wissenschaftlichen Einrichtungen und den Medien durchgeführt worden, die zeigen, daß zwar klassische Formen des Antisemitismus, die sich in offenen negativen Äußerungen und Antipathien gegenüber Juden und dem Judentum ausdrücken, eher gering verbreitet sind, moderne Facetten des Antisemitismus jedoch ein erschreckendes Ausmaß an Zuspruch finden. Das betrifft insbesondere eine Kritik an Israel, die israelische Politik leichtfertig als jüdische Politik versteht und damit jüdische Bürger – gleich welcher Nationalität – kollektiv für die Politik Israels verantwortlich macht. Damit einher geht die verbundene Unterstellung, daß Juden loyaler zu Israel als zum eigenen Land stehen. In den bislang durchgeführten Umfragen zum deutschen Antisemitismus – die leider recht uneinheitlich und weitgehend wenig theoriegeleitet durchgeführt wurden – fällt auf: Männer sind antisemitischer als Frauen, Ältere eher als Jüngere, Menschen mit niedrigem Bildungsniveau eher als höher Gebildete, religiös Gebundene eher als Konfessionslose und politisch konservativ Orientierte eher als links-orientierte Personen. Anders als bei Vorurteilen gegenüber anderen Gruppen wird Antisemitismus nicht allein in den Reihen der unteren sozialen Schichten geäußert. Anders als andere Adressanten-Gruppen von Vorurteilen werden Juden als vergleichsweise statushöhere Gruppe der Gesellschaft wahrgenommen; dies legen auch die nach wie vor gängigen Stereotype von Juden als geschäftstüchtig, intelligent und überheblich nahe. Auffällig ist, daß sich selbst in den modernen Ausdrucksformen des Antisemitismus traditionell mythische Bilder der Konspiration und Weltherrschaft, alte Stereotype und ein universal unterstellter Zionismus widerspiegeln.
In einer solchen Stimmung des öffentlichen Diskurses, die zunehmend bislang funktionieren-de Tabus und Ächtungen angreift, ist es hilfreich, systematisch die unterschiedlichen Erscheinungs-und Ausdrucksformen des Antisemitismus zu beobachten und zu analysieren, insbesondere in Hinsicht auf eine Kritik an Israel, die antisemitisch sein kann, aber nicht muß.
Bislang fehlte in Deutschland eine aktuelle systematische Beobachtung und Analyse der Ausdrucksformen des Antisemitismus und Begriffe für die unterschiedlichen Facetten des Antisemitismus werden uneinheitlich verwandt. Das trifft besonders auf Formen des Antisemitismus zu, die einen Zeitbezug haben. Kriterien, die eine antisemitische Kritik an Israel von einer nicht-vorurteilsvollen Kritik unterscheidet, liegen vor, wurden jedoch bislang noch nicht zusammengeführt. Wir haben uns im GMF-Survey 2004 diesen Problemen gestellt und eine Reihe von Facetten des Antisemitismus empirisch überprüft.
Der GMF-Survey
Seit 2002 wird jährlich ein Survey zur Untersuchung des Ausmaßes, der Entwicklung und zur Erklärung von „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in Deutschland“ (GMF) (Leitung: Prof. Wilhelm Heitmeyer, Institut für interdisziplinäre Konflikt-und Gewaltforschung, Universität Bielefeld) durchgeführt2. Grundlage sind telefonisch durchgeführte standardisierte Interviews einer repräsentativen Stichprobe von ca. 3.000 Befragten. Die im folgenden berichteten Ergebnisse basieren auf der Basis von 2.700 Befragten ohne Migrationshintergrund im Jahr 2004.
Angenommen und mittlerweile empirisch auch bestätigt wird, daß Antisemitismus zusammen mit Islamophobie, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Sexismus, Heterophobie (Abwertung von Behinderten, Obdachlosen und Homosexuellen) sowie Etabliertenvorrechten ein Syndrom der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit bildet. Wer antisemitischen Äußerungen zustimmt, tut dies auch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit in Bezug auf Vorurteile gegenüber einer anderen schwächeren Gruppe der Gesellschaft.
Facetten des Antisemitismus
Im GMF-Survey 2004 war der Antisemitismus ein Schwerpunkt. Es wurden insgesamt sieben Facetten von Antisemitismus erhoben, die z.T. so oder in ähnlicher Form bereits in anderen großen Meinungsumfragen erfaßt wurden. Heyder/Iser/Schmidt (2005) haben bei der Analyse der Daten eine etwas andere Unterteilung der Facetten gewählt, als wir sie hier vorschlagen: Wir unterscheiden zwei Facetten eines traditionellen Antisemitismus – der alte Mythos, daß Juden zu viel Einfluß haben und der Schuldvorwurf in Form der Unterstellung, Juden seien durch ihr Verhalten an ihrer Verfolgung mitschuldig. Diese letzte Facette wird von Hey-der/Iser/Schmidt aufgrund einer streng meßtheoretischen Vorgehensweise nicht berücksichtigt, wir halten sie allerdings für eine bedeutende, weil an alte Stereotype anknüpfende Facette. Der Schuldvorwurf an Juden ist tief in die antisemitische Argumentation verstrickt von den Anfängen der Beschuldigung am Tod Christi, über vergiftete Brunnen im Mittelalter bis zum heutigen Vorwurf Mitschuld an der eigenen Verfolgung zu sein.
Darüber hinaus unterscheiden wir fünf Facetten, die als Ausdruck eines sekundären Antisemitismus verstanden werden können: der Vorwurf, aus der Vergangenheit Vorteile zu ziehen, und die implizite Forderung nach einem Schlußstrich unter die Vergangenheit, ausgedrückt im Unwillen, immer wieder von den deutschen Verbrechen an den Juden zu hören und die Verbrechen an den Juden auch heute noch vorgehalten zu bekommen. In diesen beiden Facet-ten wird Bezug auf den Holocaust genommen. Zum sekundären Antisemitismus zählen wir zudem drei Facetten, die eine Verbindung zu Israel nehmen und damit die Ablehnung von Juden insgesamt begründen: separationistischer Antisemitismus, d.h. der Vorwurf, die deutschen Juden fühlten sich stärker mit Israel als mit Deutschland verbunden und interessierten sich auch mehr die israelische Angelegenheit, Israelbezogener Antisemitismus, also eine Ablehnung von Juden, die durch die israelische Politik legitimiert wird und Israelkritik, die mit NS-Vergleichen und Assoziationen arbeitet, z.B. durch die Verwendung des Wortes „Vernichtungskrieg“. In all diesen Facetten wird der Zeitgeist deutlich, der an alte Bilder anknüpft und sie in modernem Gewand präsentiert, wie etwa der alte Mythos vom „Juden als Kindesmörder“, der sich z. T. in der heutigen Israelkritik widerspiegelt. Das uralte Stereotyp Juden sei grundsätzlich „anders“ und „merkwürdig“ findet sich in der heutigen Form des separationistischen Antisemitismus wieder. Die Schuldabwehr und Umkehr vom Opfer zum Täter bzw. Täter zum Opfer wird auch hier wieder deutlich: „Juden wollen sich separieren, ziehen Vorteile, verhalten sich schlecht, ja sogar genauso schlecht wie die Nazis, und die Deutschen müssen sich immer wieder mit dem Holocaust auseinandersetzen.“
Die Kategorisierung der Facetten nach traditionell und sekundär ist in der Literatur viel diskutiert, die Ausprägung der unterschiedlichen Facetten des Antisemitismus jedoch weitgehend Konsens, auch wenn einzelne Facetten z. T. anders bezeichnet werden bzw. in einigen Beiträgen zum Thema auch gar nicht genau benannt werden. Es beseht also in der Literatur weitgehend Einigkeit, daß die von uns gestellten Fragen tatsächlich Ausdruck von Antisemitismus sind und die von uns gefaßten Facetten wesentliche Spielarten des Antisemitismus sind.
Erfassung der Facetten des Antisemitismus im GMF-Survey 2004
Alle Facetten wurden mit je zwei Items erfaßt mit Ausnahme der beiden traditionellen Facet-ten und dem Vorwurf der Vorteilsnahme. Zur Beantwortung aller Fragen stand eine 4-stufigen Antwortskala zur Verfügung: 1 = stimme überhaupt nicht zu, 2 = stimme eher nicht zu 3 = stimme eher zu und 4 = stimme voll und ganz zu. Als bedenklich werten wir, wenn eine Personen beiden Fragen (bzw. zu der einen Frage) einer Facette eher oder voll und ganz zustimmt. Die vorsichtige und korrekte Bewertung der Zustimmung ist: Diese Person äußert Zustimmung zu einer Aussage, die gemeinhin als antisemitisch gilt. Inwiefern man dies dann als „antisemitisch“ oder die Person dann als „Antisemiten“ bezeichnen möchte, ist eine politische Frage. Wir raten allerdings dazu, mit dem Label „Antisemit“ vorsichtig umzugehen, da damit schnell so etwas wie eine tiefreifende und unveränderliche Persönlichkeitseigenschaft assoziiert wird, und nicht, wie es richtig wäre, der Ausdruck einer Einstellung.
Häufigkeiten der Zustimmung zum Antisemitismus
Die folgende Tabelle 1 gibt Häufigkeiten der Zustimmung zu den einzelnen Facetten wieder. Deutlich wird, daß die Zustimmung zu traditionellen Facetten des Antisemitismus bei ca. 20% liegt. Dies zeigen in ähnlicher Größenordnung auch andere Umfragen (wie u.a. eine Umfrage der Berliner Morgenpost in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung und dem Emnid-Institut 2003). Die Zustimmung zu sekundären Facetten ist insgesamt deutlich höher. Auffallend hoch ist die Zustimmung von 65% der Befragten zu einem „Schlußstrich“ unter die Erinnerungen an den Holocaust; auch hier belegen andere Umfragen ähnlich hohe Prozentwerte.Die Studie zeigt, daß insgesamt Ältere stärker zustimmen als Jüngere, Männer mehr als Frauen, niedriger Gebildete mehr als besser Gebildete. Zwischen Ost-und Westdeutschen gibt es Unterschiede in einzelnen Facetten, jedoch keine klare Aussage zugunsten der einen oder anderen Seite. Betont sei: Antisemitismus ist nicht, wie in der aktuellen Diskussion immer wieder suggeriert oder behauptet wird, primär ein Problem der Jungen, sondern wenn, dann der Älteren! Dies bestätigen Umfragen, die explizit Jugendliche und junge Erwachsene befragt haben (z.B. eine Umfrage des Dokumentationszentrums für anti-rassistische Arbeit (IDA) von 2003). Außerdem wird deutlich: Auch wenn Antisemitismus mit einer politisch rechten Haltung wächst, ist die Mitte nicht frei davon. Fast 89% derjenigen, die sich selbst politisch „genau in der Mitte“ einordnen, stimmen mindestens einer Facette des Antisemitismus zu. Mehr als Befragte des linken Spektrums unterstützen sie insbesondere eine Israelkritik, die (unnötigerweise) Vergleiche zu den Verbrechen der Nationalsozialisten bemüht.
Nur 11% aller Befragten stimmt keiner der sieben Facetten des Antisemitismus zu, 4% stimmen allen Facetten eher oder sogar voll und ganz zu. Aufgrund der etwas anderen Facettenaufteilung kommen Heider/Iser/Schmidt hier auf 12%. Schließt man die antisemitische Separation und die Forderung nach einem Schlußstrich aus der Berechnung aus, äußern 23.4% aller Befragten keine Zustimmung zu einer der (dann nur fünf) Facetten, 71,5% zu mindestens einer der anderen Facetten Zustimmung. Allerdings äußern von diesen Letzteren ca. die Hälfte auch Zustimmung zum separationistischen Antisemitismus und/oder der Forderung nach einem Schlußstrich unter den Holocaust. Wir führen dies so genau aus, um Argumenten vorzubeugen, wir unterstellten Befragten leichtfertig antisemitische Einstellungen, obgleich sie lediglich zu umstrittenen, möglicherweise des Antisemitismus unverdächtigen Aussagen zustimmen. Festzuhalten bleibt: Auch wenn der Antisemitismus ohne diese umstrittenen Facet-ten definiert wird, stimmen über 2/3 aller befragten Deutschen mindestens einer der eindeutigen Facetten zu und darüber hinaus auch mindestens einer der beiden umstrittenen.
Zudem wird deutlich: Die unterschiedlichen Facetten des Antisemitismus hängen miteinander zusammen – wer bei der einen zustimmt, tut dies mit höherer Wahrscheinlichkeit auch bei einer anderen. Auch die Forderung nach einem Schlußstrich hängt deutlich mit anderen Facet-ten zusammen und zwar mit traditionellen wie mit sekundären, und hier besonders mit dem Vorwurf der Vorteilsnahme durch den Holocaust. Ebenso ist der separationistische Antisemitismus mit allen anderen Facetten verknüpft. Wir heben beide Facetten noch einmal gesondert hervor, weil bei diesen Facetten der antisemitische Charakter z. T. bezweifelt wurde. Die signifikanten Zusammenhänge mit andere, deutlich antisemitischen Facetten belegen aber ihren antisemitischen Unterton.
Die hohe Bedeutung der Schuldabwehr und Umkehr, die sich in etlichen Facetten des Antisemitismus spiegelt, findet noch einmal auch ganz unmittelbare Bestärkung: 24% der Befragten stimmen der Aussage zu: „Juden sind selbst schuld, wenn man etwas gegen sie hat.“ Die hier deutlich werdende Selbstentlastung selbst im Hinblick auf schlechte Meinungen über Juden dient u. E. dazu, das eigene Vorurteil zu immunisieren, abzusichern und ggf. sogar aufzuheizen (siehe auch Zick/Küpper, Deutsche Zustände, Folge 3).
Antisemitische und nicht-antisemitische Israelkritik
An einer Kritik einer Israelischen Politik ist solange nichts auszusetzen, solange sie ohne antisemitische Anleihen auskommt. Sie muß sich jedoch mindestens dann dem Vorwurf des Antisemitismus u. E. zu Recht aussetzen, wenn sie das Existenzrechtes Israels und sein Recht auf Selbstverteidigung aberkennt, die israelische Politik mit einem doppelten Standard beurteilt, also bestimmte politische Maßnahmen seitens Israels scharf verurteilt, jedoch seitens anderen Ländern duldet, historische Vergleiche der israelischen Palästinenserpolitik mit der Judenverfolgung im Dritten Reich bemüht oder antisemitischer Stereotype auf den israelischen Staat überträgt. Auf diese Weise wird Israel zum „kollektiven Juden“ gemacht und mit Hilfe klassischer, antijüdischer Stereotype abgewertet und isoliert. Umgekehrt muß damit eine Kritik an der Politik Israels, für die Juden insgesamt verantwortlich gemacht werden, als antisemitisch bezeichnet werden (vgl. Heyder/Iser/Schmidt 2005).
Im GMF-Survey 2004 wird klar: Reine, des Antisemitismus unverdächtige Kritik an Israel ist möglich, aber sie ist rar. Es gibt Befragte, die Israel harsch kritisieren, ohne daß dabei zugleich antisemitische Untertöne einfließen. In einigen Fällen kritisieren sie ebenso die palästinensischen Angriffe auf Israel, drücken also Kritik an aggressiven, kriegerischen Auseinandersetzungen zumindest in Bezug auf den Nah-Ost-Konflikt aus. Allerdings äußern 90% derjenigen, die reine Israelkritik äußern, Zustimmung zu mindestens einer Facette des Antisemitismus. Schließt man auch hier wieder die beiden umstrittenen Facetten aus, stimmen von denen, die reine Israelkritik äußern, fast 80% mindestens einer der verbleibenden Facetten des Antisemitismus zu. Über die Hälfte der reinen Israelkritiker stimmen mindestens einer der drei traditionellen Facetten (Einfluß, Schuldattribution, Vorteilsnahme) zu. Von denen, die keine reine Kritik an Israel üben, weisen nur 17% sämtliche Facetten des Antisemitismus ab. Das bedeutet, nur 3.4% aller Befragten stimmen weder einer Facette des Antisemitismus, noch einer Kritik an Israel zu! Nur knapp 8% äußern sich in keinerlei Form – mit oder ohne antisemitischen Beiklang – negativ über Israel bzw. über Juden mit Bezug auf Israel (d.h.stimmen weder einer reinen Israelkritik zu, noch einer der Facetten, in denen auf Israel Bezug genommen wird: Separation, antisemitische Israelkritik, Israelkritik mit NS-Vergleich).
Worin unterscheiden sich diejenigen knapp 8% der Bevölkerung, die Israel kritisieren, ohne dabei jedoch gleichzeitig auch antisemitischen Aussagen zuzustimmen, von den gut 3% der Bevölkerung, die weder einer antisemitischen Aussage, noch Kritik an Israel üben? Sie verurteilen ebenfalls deutlich stärker palästinensische Angriffe auf Israel, lehnen Gewalt generell noch deutlicher ab, sind noch weniger selbst zu Gewalt bereit, weniger nationalistisch gesinnt, deutlich weniger autoritaristisch, politisch eher links, und sie sind deutlich weniger menschenfeindlich. Es sind insbesondere gebildete westdeutsche Männer und jüngere gebildete westdeutsche Frauen, die die Israel-kritische, aber nicht-antisemitische Gruppe bilden. Ihre Kritik an Israel entspringt offenbar einer links-kritischen und gewaltablehnenden Haltung, die mit Antisemitismus einhergehen kann, aber nicht muß.
Antisemitismus in der politischen Mitte
Antisemitismus ist dabei keine Sache allein der politischen Rechten. Von denen, die sich selbst als politische Mitte einstufen, stimmen 14.3% Aussagen des klassischen Antisemitismus zu, d.h. sind der Ansicht, Juden haben zuviel Einfluß und sind durch ihr Verhalten an der Verfolgung mitschuldig, 65.4% dem sekundären Antisemitismus, d.h. sind es leid, von den Verbrechen der Deutschen an den Juden zu hören und äußern Ärger darüber, daß die NS-Verbrechen den Deutschen nach wie vor vorgehalten werden. 48.4% der politischen Mitte stimmen Aussagen zu, die sich als antisemitische Separation bezeichnen lassen, meinen also, die Juden in Deutschland fühlen sich stärker mit Israel als mit Deutschland verbunden und interessieren sich mehr für israelische als für deutsche Angelegenheit, 31.8% stimmen Aussagen des Israelbezogenen Antisemitismus zu, d.h. begründen ihre Ablehnung von Juden mit der Israelischen Politik, indem sie den Aussagen „durch die israelische Politik werden mir die Juden immer unsympathischer“ und „Bei der Politik, die Israel macht, kann ich gut verstehen, daß man etwas gegen Juden hat“ zustimmen. 53.3% verwenden NS-vergleichende Israel-Kritik, d.h. sie kritisieren Israel indem sie Assoziationen zu NS-Verbrechen herstellen, wie in den Aussagen Juden führen einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser und dem Vergleich, daß da, was de Staat Israel heute mit den Palästinensern macht, ist im Prinzip auch nichts anderes als das, was die Nazis im Dritten Reich mit den Juden gemacht haben. Hier sind immer die Prozentzahlen derjenigen angegeben, die beiden Aussagen eher oder mindestens einer Aussage voll und ganz zustimmen.
Transformierter Antisemitismus – alte Mythen in neuem Gewand
Wir haben eine Reihe von unterschiedlichen Facetten des Antisemitismus in einer großen, repräsentativen Bevölkerungsumfrage in Deutschland im Frühsommer 2004 erhoben. Deutlich wird (ähnlich wie auch in anderen Umfragen der jüngeren Zeit), daß vergleichsweise wenig Befragten klassisch antisemitischen Aussagen wie der Mähr vom Einfluß der Juden und dem Vorwurf an der eigenen Verfolgung mitschuldig zu sein zustimmen. Gleichzeitig bejahen jedoch erschreckend viele Befragte modernisierte Facetten. Dies gilt sowohl für solche Ausdrucksweisen, die an den Holocaust anknüpften, wie eine unterstellte Vorteilsnahme oder die Forderung nach einem Schlußstrich als auch für solche, die auf Israel Bezug nehmen, wie die Unterstellung von Separation seitens der Juden in Deutschland, eine In-Verantwortungsnahme aller Juden für die israelische Politik und eine Bezugnahme auf die israelischen Politik, die NS-Vergleiche oder NS-Assoziationen weckt. Unserer Auffassung nach ist dies allerdings kein grundsätzlich neuer Antisemitismus, der hier deutlich wird. Vielmehr erscheinen uralte antijüdische Mythen und Stereotype in modernem Gewand in dem sie sich aktuelle und emotionsgeladene Themen zu eigenen machen. Auf diese Weise werden in scheinbar neuer Form alte Vorurteile weitertransportiert. Anders als z. B. beim modernen Rassismus werden alte Vorurteile jedoch nicht unterdrückt, sondern lediglich an den jeweiligen Zeitgeist angepaßt transformiert. Zu befürchten ist, daß hierfür in Zukunft auch andere Themen herhalten müssen und die Transformation nicht auf den Nahost-Konflikt und die Aufarbeitung des Holocaust beschränkt bleibt. Die Abwendung und Umkehr von Schuld wird dabei – schon vor dem Holocaust, aber natürlich seitdem vielfach verstärkt – immer ein wesentliches Element bleiben. Wir meinen, daß insbesondere die Funktion des Antisemitismus als legitimierender Mythos genauer untersucht werden muß, und dabei genauer nachgezeichnet werden sollte, wie alte Mythen im Diskurs transformiert werden.
Zur Kritik an der Einstellungsmessung
Hin und wieder begegnen uns Zweifel daran, ob daß, was wir in unserer Umfrage erfassen, denn überhaupt Antisemitismus sei. Wir möchten hervorheben, daß die von uns verwendeten Aussagen zur Erfassung des Antisemitismus so oder in ähnlicher Form auch in anderen Befragungen verwendet wurden und stimmig mit anderen Indizien wie etwas einer politischen Orientierung nach rechts oder Feindseligkeiten gegenüber anderen Gruppen einhergeht. Möglicherweise kann einigen der vorlegten Aussagen auch aus anderen als aus „antisemitischen Motiven“ heraus zugestimmt werden, wenn beispielsweise aufgrund einer intellektuellen Auseinandersetzung mit dem Zionismus Juden in Deutschland Separation unterstellt wird. NS-Vergleich bei der Beurteilung der israelischen Politik können möglicherweise auch herangezogen werden, um einen Ausdruck für besonders verabscheuungswürdiges Handeln zu verwenden, so wie Gegner gleich welcher Art durchaus nicht selten als Hitler bezeichnet werden um ihre besondere Niedertracht zu unterstreichen, ohne daß jedoch ernsthaft auf einen Vergleich abgezielt wird. Wir halten es jedoch nicht für gerechtfertigt anzunehmen, daß so viele Befragten unserer Bevölkerungsstichprobe solch sophistischen Auslegungen der vorgelegten Aussagen folgen, daß unsere Befragungsergebnisse dadurch verzerrt würden. Wer zustimmt, stimmt antisemitischen Aussagen zu und versteht darunter wohl in den seltensten Fällen etwas anderes.
---------------------
Weitere Ergebnisse aus dem GMF-Survey werden jährlich in den Bänden Deutsche Zustände (hrsg. von Wilhelm Heitmeyer, edition suhrkamp) berichtet.
Bielefeld, April 2005
SIEHE AUCH http://www.honestly-concerned.org/Temporary/Antisemitismus-in-Deutschland_Kurzbericht.pdf
TEIL 2 - Zwei Presseerklärungen zum Thema Wirtschaftstag Iran in
Frankfurt...
René Pollak
Zionistische Organisation Frankfurt
e.V.
Hebelstr. 6 60318 Frankfurt Telefon 0179-3980090
e-mail: zionfrankfurt@gmx.net
Steve
Kothe
Bündnis Regime Change, Frankfurt
Zionistische Organisation
Frankfurt e.V. Der Vorstand
René Pollak, Nina Belovska,
Dr. Zeev Izhar, Dr. Andreas Adler, Boris Schafranski
Ehrenvorsitzender:
Prof. Dr. Arno Lustiger
Aufruf zur Demonstration
Zeit: 21. April 2005 10 – 16 Uhr
Ort:
Internationale Handelskammer Frankfurt
direkt neben der Frankfurter
Börse
Für Demokratie und Meinungsfreiheit
Gegen
Despotismus und den islamischen Gottesstaat im Iran
26 Jahre Herrschaft
des Gottesstaates im Iran. 26 Jahre Terrorherrschaft der Islamischen Republik
im Iran. Vor 26 Jahren haben sich die Menschen im Iran gegen Monarchie, für
Demokratie und Meinungsfreiheit entschieden und nicht für einen despotischen
Gottesstaat.
Zum Jahrestag der Volksbefragung am 01. April 1979 sagen
wir:





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