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Israel bereitet sich auf Angriff vor
Folgt die Vertreibung der Palästinenser? /
Von Jörg Bremer
JERUSALEM, 15. August. Die israelische Bevölkerung
wird auf einen irakischen Angriff vorbereitet. Seit Wochen schon heißt es,
Gasmasken sollten erneuert werden. Während Militärfachleute in anderen
Ländern davon sprechen, daß das irakische Gefahrenpotential seit dem
Golfkrieg vor gut zehn Jahren keineswegs gewachsen sei, erhalten die
israelischen Zeitungsleser einen anderen Eindruck: Saddam Hussein sei
stärker denn je und bereit zu einem Schlag mit nichtkonventionellen Waffen
gegen Israel als Antwort auf einen amerikanischen Angriff, schreiben die
Zeitungen. Zusätzlich zu neuen Gasmasken sollen Israelis, die in der Nähe
von Atomanlagen leben, noch Jodtabletten erhalten; sie könnten im
Ernstfall vor atomarer Verstrahlung schützen. Auch wenn sie erst in den
nächsten Wochen verteilt werden sollen, hat die Ankündigung Besorgnis in
der Bevölkerung hervorgerufen. Ist die Panik gewollt?
Zuvor war in
den Zeitungen vor allem über das Bemühen der israelischen Regierung
debattiert worden, von Washington rechtzeitig vor einem Angriff gewarnt zu
werden. Ministerpräsident Scharon soll jetzt nach einem Bericht der
Zeitung "Jerusalem Post" die Zusicherung erhalten haben, Israel werde
"einige Tage" vor dem ersten Schlag "angemessen gewarnt" werden. Die
Zeitung "Haaretz" teilte ihren Lesern mit, Amerika werde Israel zudem
rechtzeitig mit neuen Boden-Luft-Raketen vom Typ "Patriot" versorgen. Auch
wenn Israel das nicht ausdrücklich verlange, werde Präsident Bush so
verfahren, wie es schon sein Vater im Golfkrieg getan habe. Zudem würden
neue israelische Arrow-Raketen den Luftraum über Israel schützen.
Luftwaffenkommandeur Halutz ergänzte in der Zeitung "Yediot Ahronot", die
Armee sei in allen sensiblen Gegenden präsent, um auf irakische
Raketenangriffe reagieren zu können. "Ein amerikanischer Schlag auf den
Irak kann uns wider Willen in den Krieg ziehen. Ein nichtkonventioneller
Führer mit nichtkonventionellen Waffen ist gefährlich", sagte er. Die
Zeitung befaßte sich zugleich auf einer ganzen Seite mit weiteren
Gefahren, die Israel durch Pocken, Ebola, Milzbrand und Atomwaffen drohen.
Wer diese Seite liest, muß Israel vor dem Untergang und sich selbst dem
Tod nahe sehen.
Vielen Israelis kommt es schon so vor, als habe der
Krieg schon begonnen, und sie fühlen sich als Opfer. Scharon kündigte an,
daß Israel bei einem Angriff nicht wie vor zehn Jahren in Deckung gehen,
sondern zurückschlagen werde. Die Zeitung "Haaretz" berichtete, der
amerikanische Geheimdienst wisse, daß Israel bei einem
nichtkonventionellen Schlag, atomar antworten und den "Irak als Land
auslöschen" könnte. Solche Schreckensszenarien bleiben nicht
unkommentiert. In Israel spiele jemand, "der offen die Flamme der
Hysterie" schürt, schrieb "Haaretz" und weist in die Richtung der
Regierung und der Armee. Für diese gebe es einen Zusammenhang zwischen
einem möglichen Krieg gegen den Irak und der Auseinandersetzung mit den
Palästinensern. So habe General Eitan gesagt, "daß ein amerikanischer
Schlag auf den Irak auch die Autonomiegebiete beschädigen wird". "Haaretz"
fragt deshalb, ob Israel Krieg dazu nutzen könnte, die palästinensische
Bevölkerung in einer "ethnischen Säuberung" zu vertreiben.Amerika müsse
man schon heute sagen, daß ein Angriff auf den Irak diese Folgen haben
könnte, kommentiert "Haaretz".

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