ELDAD BECK - Antisemitismus, Deutsche Medien und der
Nahostkonflikt
Berlin,
26.06.2003 - Die
Berichterstattung vieler Medien in Deutschland über Israel, über den
Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis und über den allgemeinen
Konflikt zwischen der arabischen Welt und Israel leidet oft unter
Einseitigkeit, tendenziöser Analyse der Lage in dieser Region, subjektiven
Vorurteilen, Vereinfachung der komplexen Realität und einer fehlenden
historischen Vision der
Taten.
Oft scheint es, als versuchten
große Teile der Deutschen Presse, nicht über die Lage in dieser Region der
Welt zu berichten, sondern in der Sache zu entscheiden – wer hat Recht, und
wer nicht. Journalisten und Redakteure sind nicht mehr objektive
Presse-Leute, sondern werden Richter: sie beurteilen, wer schuldig ist
und wer nicht, wer verantwortlich ist und wer nicht, und das durch die Wahl
ihrer Worte, ihrer Titel, ihrer Fotos und durch die Themen, über die sie
schreiben oder berichten. Mann kann leider selten von beruflicher
Objektivität sprechen. Man engagiert sich, man zeigt sich solidarisch mit
einer Seite, man lässt oft seine Emotionen
sprechen.
Als Journalist kenne ich sehr gut
die Bedingungen unter denen die Presse funktioniert und funktionieren muss.
Zwischen kommerziellem Kalkül, Zeitdruck, politischen Überlegungen und
Interessen und der Schwierigkeit persönliche Ideen und Ethik voneinander zu
trennen, müssen wir Journalisten alle manövrieren. Besonders schwierig ist
es, wenn man persönlich Teil eines Konflikts ist – wie es für uns,
israelische und palästinensische Journalisten, ist.
Aber wenn es um die
deutsche Presse geht, dann sollte es nicht zu schwer sein, objektiv und bei
den Fakten zu bleiben. Schließlich, ist Deutschland keine Partei des
Konflikts, und sollte nicht versuchen eine Partei zu werden. Das, glaube
ich, vergessen viele deutsche Journalisten, wenn sie über Israel berichten
und
schreiben.
WIE das passiert, werde ich
versuchen Ihnen mit konkreten Beispielen zu zeigen. Warum es so ist, wäre
eine andere wichtige
Frage.
Angesicht der Proportionen, in
denen man in Deutschland über Israel und den Nahost-Konflikt berichtet, sehe
ich die Notwendigkeit einer kritischen Analyse der Nahost-Berichterstattung
in diesem Land. Die deutsche Presse – wie jede andere Presse – hat eine
besondere Verantwortung: sie bildet und formiert die öffentliche Meinung.
Gerade deswegen sollte die Presse sich sehr vorsichtig mit einem heiklen und
komplexen Thema beschäftigen, wie die Lage im Nahen-Osten. Das ist aber
heute meistens leider nicht der Fall.
Die Berichterstattung großer Teile
der deutschen Medien ist oft bewusst oder unbewusst einseitig, tendenziös,
unfair und nicht genug
informativ.
Im Vergleich mit anderen
Konflikten in der Welt wird über den Konflikt zwischen Israelis und
Palästinensern unverhältnismäßig überberichtet. So, zum Beispiel, hat die
deutsche Presse in den letzten Wochen „Den fast vergessen Krieg“ im Kongo
(„Stern“) entdeckt. In den letzten 4 Jahren starben dort fast 5 Millionen
Menschen. Wie kann man so etwas fast vergessen? Und wie oft hat man in
diesem Zeitraum über unseren Konflikt berichtet – in dessen Folge seit 2,5
Jahren etwa 3,500 Menschen starben?
Jeder Tote, jedes Opfer sind ein
Toter und ein Opfer zu viel. Aber wo liegen die Proportionen? Man verwandelt
einen lokalen, nationalen Konflikt in eine Globale Bedrohung.
Warum?
Und dann kommt die systematische
Dämonisierung des Bildes Israels. Um nicht zu negativ zu wirken, teilen
viele deutsche Medien Israel so ein: Es gibt das Böse Israel, aber auch das
Gute Israel.
Wer sind die Bösen Israelis? Die
Rechten, die Likud-Anhänger, die streng Religiösen, die Soldaten und
natürlich auch die Siedler. Diese Israelis werden gezeigt als das absolute
Böse – aggressiv, kampfsüchtig, radikal, ohne irgendwelchen Versuch, die
politische Überzeugungen dieser Leute zu verstehen und den Lesern zu
erklären. Diese Überzeugungen werden plakativ als falsch interpretiert und
die Anhänger dieser Überzeugungen werden gezeigt als Hindernis für den
Frieden in der Region, wenn nicht in der ganzen
Welt.
Wer sind die guten Israelis? Die
sind die Linken, die Arbeitspartei-Anhänger, Soldaten die ihren
Militärdienst verweigern, ein paar Linksradikale, die immer wieder zwischen
dem heutigen Israel und Nazi-Deutschland
vergleichen.
Die Tatsache, dass die „Guten“
heute nur eine reduzierte Minderheit sind, beweist für viele, dass das alte,
gute, linke Israel nicht mehr existiert, und dass die Israelis plötzlich zu
einer faschistoiden kriegstreibenden Nation geworden sind. Das ist ein Bild,
das der Realität natürlich nicht entspricht, aber das von vielen deutschen
Medien verbreitet
wird.
Das ist das Böse
Israel:

Das ist das
Gute:

Das ist das Dumme
Israel:

Sharon hat keine richtige Vision, denn sein Fernglas ist
zu.
Das ist das Kluge
Israel:
Mizna hat offensichtlich keine
Sichtprobleme.
Und damit alle verstehen wie
kurzsichtig Sharon ist, schreibt die Zeitung am selben Tag: „Sharon
PROFITIERT vom Terror und stärkt die Hardliner“. Auswahl der Worte:
„PROFITIERT VOM
TERROR“.
Die Israelische Realität wird dann
so einfach dargestellt: es gibt pro Frieden Israelis und Frieden-feindliche
Israelis. Die Komplexität des Konflikts erscheint dadurch verschwommen. Und
dadurch, dass die Israelis in ihrer großen Mehrheit „anti friedlich“ sind
und eine „Frieden-feindliche Regierung“ haben, kommt es zu einer
vereinfachten Vorstellung des Konflikts mit den Palästinensern, als gäbe es
einerseits „die immer beschuldigten Täter“ – Israel, und anderseits „die
Opfer“ - die Palästinenser. Dieses falsche Bild wird geschafften durch die
Tatsache, dass man nicht mehr zwischen Ursache und Ergebnissen
unterscheidet, dass man gezielte palästinensische Terrorakte gegen
Zivilisten und gezielte israelische militärische Operationen gegen
Terroristen als Gewalt und Gegengewalt präsentiert, dass man über anonyme
israelische Terroropfer oft berichtet als wären sie legitime Ziele des
sogenannten palästinensischen nationalen
Kampfes.
Nehmen wir, zum Beispiel, die
Entwicklungen der letzten Tage im Nahen-Osten: wie haben die Medien in
Deutschland über die neue Gewaltwelle der letzten Tagen
berichtet.
Zur Erinnerung: nach dem
Akaba-Gipfel-Treffen zwischen Bush, Sharon und Abu-Mazen, ein Gipfel der ein
neuer Anfang für den Friedensprozess sein sollte, hat Abu-Mazen erklärt dass
alle terroristischen Aktionen gestoppt werden müssen – durch Verhandlungen
und nicht mit Gewalt. Hamas, Jihad und die Al-Akza Brigaden haben solche
Verhandlungen sofort abgelehnt. Kaum 24 Stunden nach dem Gipfel wurde ein
israelisches Liebespaar – sie 17, er 27 Jahre alt – von Palästinensern in
einem Wald neben Jerusalem kaltblütig mit Äxten erschlagen. Die deutsche
Presse berichtet darüber
nicht.
Am Tag danach wurden Israelische
Soldaten das erste Mal Ziel einer koordinierten Attacke von allen drei
obengenannten palästinensischen radikalen Organisationen. 4 Soldaten starben
dabei. Der Sprecher der Hamas, Abdel-Aziz Rantissi erklärte, dass der
bewaffnete Kampf gegen die Zionisten nicht aufhören wird. Die Hamas-Führung
lehnte den „Fahrplan“ total ab, wie auch die Verhandlungen über eine
Feuerpause.
Angesichts dieser Taten und Drohungen, reagierte Israel mit
einem Versuch Rantissi zu töten. Rantissi überlebte, 3 Palästinenser
starben, 30 wurden verletzt, und Rantissi bedroht wieder: „alle Israelis
sind ab jetzt
Ziele“.
Wie hat man in Deutschland darüber
berichtet?
Im ZDF Abendjournal sagt die Moderatorin: „Es ist ein schwerer
Rückschlag für den gerade wieder im Gang gekommenen Nahost-Friedensprozess“.
Rantissi, sagt sie, überlebte den Angriff, aber „eine Passantin und ihre
8-jährige Tochter starben“. Im einem Bericht wird Rantissi vom
Krankenhausbett aus interviewt, und er sagt: „Das ist ein Krieg, den Die
Israelis gegen uns führen. Sie wollen uns fertig machen“. „Dieser
Mordversuch torpediert alle Friedensbemühungen“, berichtet der Korrespondent
vor Ort, ohne zu erklären, warum Israel Rantissi töten wollte. Rantissi, ein
Radikaler unter Radikalen, wird gezeigt als Opfer der gewalttätigen
Anti-Friedenspolitik der Israelischen
Regierung.
Dagegen kann die ARD berichten,
dass „Israel (die Tat) damit gerechtfertigt hat, dass (Rantissi) für den
Angriff auf die 4 Soldaten“ verantwortlich war, die bei dem Überfall vor ein
paar Tagen ermordet
wurden.
Im ZDF-Nachtjournal am selben Tag
sagt der Moderator: „Abdel-Aziz Rantissi ist kein Mann des Friedens,
JEDENFALLS nicht des Friedens den sich der Amerikanische Präsident, der
israelische und sein eigener - der palästinensische Premier - vorstellen“.
(Welche andere Idee des Friedens Rantissi hat, erklärt uns der Moderator
aber nicht). Der moderiert weiter: „vor 10 Tagen hat Rantissi in einem
Interview mit uns erklärt, seine Organisation - die Hamas - werde den
Friedensfahrplan bekämpfen. Heute sollte Rantissi sterben. Der israelische
Helikopter schoss ein paar Sekunden zu spät. Der Mann der Hamas entkam. An
seiner Stelle starben eine unschuldige Passantin und ihre kleine Tochter.
Und wenn es so weiter geht, stirbt auch der gerade begonnene neue
Friedensprozess“.
Wie berichten die Zeitungen über
die Entwicklungen? Die Süddeutsche Zeitung titelt am Tag nach der
misslungenen militärischen Aktion auf ihrer ersten Seite; „Angriffe Israels
bedrohen Friedensplan“. Die TAZ veröffentlicht ein Bild von einem
israelischen Mädchen, dessen Familie in den Gebieten lebt. Das Mädchen hat
einen Stein in den Händen, denn es wollte eine Mauer bauen, um israelische
Soldaten daran zu hindern, illegale Außenposten zu räumen. DIESES Mädchen
hat den Stein auf niemanden geworfen, im Gegensatz zu anderen Kindern in der
Region. Trotzdem lautet die schriftliche Beschreibung dieses Bildes: „Gewalt
von Kindesbeinen an: jüdische Siedlerin in Ofra“. Dasselbe Bild erscheint in
„Der Welt“ neben einen Bericht über die „Jungen radikalen
Siedler“.

Ich werde zu diesem Bild später zurückkommen, um zu
zeigen, wie man das Thema „Kinder“ in der Presse manipuliert. Zunächst aber
zurück zur Aktualität: die FAZ schreibt am selben Tag über Rantissi: „Der
gelernte Arzt ist Mitglied der politischen Führung der Organisation und
hatte mit den versteckt operierenden Terrorzellen nichts zu tun“. Diese
Entschuldigung widerspricht allen öffentlichen und bekannten Informationen
über Rantissi, der in verschiedenen Interviews selbst dazu aufgerufen
hat, Israel zu zerstören. Aber für die FAZ ist Rantissi
unschuldig.
Am Tag danach verübt die Hamas ein
Selbstmordattentat in einem Bus in Jerusalem – 17 Menschen sterben, fast
alle Zivilsten. Mehr als Hundert werden verletzt - Passanten und Passagiere.
Ist DAS laut deutschen Medien AUCH eine Bedrohung für den
Friedensprozess?
Das ZDF erklärt im Abendjournal: „Es begann Gestern,
obwohl es immer so schwierig zu sagen ist, wenn Gewalt und Vergeltung so
schnell auf einander folgen, aber es war ein neuer Schritt der Eskalation
als gestern Abdel-Aziz Rantissi von den Israelis mit einem Helikopter
angegriffen wurde. Ein Mann, den die Israelis seit Monaten jeden Tag hätten
erschießen können, wurde ausgerechnet gestern quasi
hingerichtet“.
Israel ist schuldig.
Und was
schreibt die „Süddeutsche Zeitung“? „Gewalt im Nahen Osten eskaliert – einen
Tag nach dem israelischen Mordanschlag auf einen Hamas-Führer ist die Gewalt
in Nahem Osten eskaliert“. Wer ist dann jetzt für die Gewalt
verantwortlich?
Und wer sind die israelischen
Opfer? Hier ist eine Liste, die man in der Deutschen Presse nicht finden
kann: Elza Kohen, 70 j. a, Holocaustüberlebende; Mirjam Levi, 74 j. a.,
Martin Tita, 73 j. a. Alexander Kazaris 77 j. a., Malka Sultan 67 j. a.
usw., usw. In der deutschen Presse spricht man nur von einer Zahl anonymer
Opfer – 16, danach 17 - ohne jedes Detail. Wenn es um Israelische Opfer
geht, sind die meistens nur Zahlen, mit denen man sich nicht identifizieren
kann. Man sieht auch im Fernsehen oder in den Zeitungen kein Bild von
gestorbenen oder verletzen. Viele davon sind Kinder. Aber am Tag danach -
als Israel mit einem Angriff auf 2 andere Hamas-Führer reagiert, und auch
Passanten dabei getroffen werden, zeigt man alle möglichen Details und
Bilder. Und das ZDF kommentiert im Heute-Journal so: „Es muss in Israel
Verantwortliche geben, die diese Nachricht für einen Erfolg halten:
Israelische Kampfhubschrauber feuerten heute 6 Raketen auf das Auto eines
führenden Hamas-Mitglieds ab. Der Mann, seine Frau und seine 3-jährige
Tochter wurden getötet. Mehr als 40 Menschen wurden verletzt“.
Über
welchen Erfolg sollten sich Verantwortliche in Israel freuen? Über den Tod
der 3-jährigen? Das lässt sich offensichtlich
interpretieren.
SAT1 berichtet am selben Abend:
„Nach dem palästinensischen Selbstmordanschlag auf einen Bus in Jerusalem
hat Israel BLUTIGE Vergeltung geübt. Bei einem Raketenangriff auf Gaza
starben 7 Palästinenser, darunter ein 3-jähriges
Kind“.
Nur auf RTL hört man: „Der
SELBSTMORDANSCHLAG gestern Abend auf einem Bus in Jerusalem mit 16 Toten und
über 100 Verletzten hat den Friedensprozess im Nahen-Osten zum Stillstand
gebracht“.
*
In der Meinungsformierung
sind Bilder oft wichtiger als Worte. Wie kann man durch Bilder einen
falschen Eindruck erwecken? Zum Beispiel, wenn Fotos und Texte inhaltlich
nicht wirklich zueinander
passen.
So berichtet die „Berliner
Morgenpost“: „Israel bereitet Rückzug vor“. Eine positive Entwicklung,
nicht? Aber, welches Bild erscheint neben den
Bericht?

„Ein israelischer Soldat zielt an einem Checkpoint
in der West Bank auf einen sich nähernden
Mann“.
„Die Welt“ berichtet:
„EU-Gelder für Arafat stehen in der Kritik, ein U-Ausschuss soll klären, ob
die EU mit ihren monatlichen Zahlungen in Höhe von 10 Millionen Euro an
Arafats Palästinenser-Behörde indirekt palästinensischen Terror gegen Israel
unterstützt“. Welches Bild findet man über dem Bericht? Vielleicht ein Bild
von Israelischen Opfern Palästinensischen Terrorismus? Nein, von
„Aufgebrachten Palästinensern nach dem Tod eines Dschihad-AKTIVISTEN“.
„Aktivist“ und nicht
„Terrorist“.

Am 13.1.03 berichtet die FAZ: „Hamas setzt Raketen
ein“. Seit Monaten wurden mehr als 60 Kassam-Raketen über israelische Dörfer
und Städte neben dem Gaza-Streifen abgeschossen. Menschen werden verletzt,
Häuser werden zerstört. In Deutschland schreibt man kaum darüber. Zeigt uns
die FAZ ein Bild von einem zerstörten israelischen Haus? Nein, dafür aber
ein Bild von spielenden Palästinensischen Kindern zwischen Ruinen eines
Hauses im Gaza-Streifen nach einer „ israelischen Militäraktion“. Es gibt
Leid, und es gibt
Leid.

Am 7.1.03, zwei Tage nach einem doppelten
Selbstmordanschlag in Tel-Aviv, der 22 Menschen aus dem Leben gerissen hat,
berichtet die Süddeutsche Zeitung: „Israel verbietet Palästinensern
politische Gespräche“. Zwei Bilder begleiten den Bericht: das kleine zeigt 2
Israelis, im Schock, nach dem Anschlag; das Grosse zeigt Gretta Duisenberg,
Frau des Chefs der Europäischen Zentralbank, die zu Yassir Arafat gereist
war – Gott weiß
warum.

Auf dem Bild inspiziert sie ein Haus im
Gaza-Streifen, das von der israelischen Armee zerstört wurde. Die Anschläge
waren in Tel-Aviv, nicht in Gaza. Egal. Die Süddeutsche berichtet am selben
Tag NICHT darüber, dass die verehrte Frau Duisenberg während ihres Besuchs
gesagt hat: „Mit Ausnahme des Holocaust ist die Besetzung der
palästinensischen Gebiete schlimmer als die Besatzung der Niederlande durch
die Nazis“, und „Die Israelis würden die Häuser der Familien von
Selbstmordattentätern in die Luft sprengen, und dass hätten nicht einmal die
Nazis in den Niederlanden
getan.“
*
Die
Macht der Bilder kann sehr gross sein: Erinnern Sie sich Bitte, an die Junge
radikale Siedlerin mit dem
Stein:

...und denken Sie an dieses
Bild:
hier geht es nicht um Gewalt von Kindesbeinen an,
sondern um brave „junge Palästinenser, die mit selbst gebauten Katapulten
israelische Panzer in Beit Hanun
beschießen“.
Bilder von palästinensischen
Kindern werden ständig gebracht, um das Leid der palästinensischen
Bevölkerung zu demonstrieren und die Brutalität des Konflikts zu zeigen. Als
gäbe es keine israelischen Kinder, die leiden, die sterben, die ihre Eltern
durch den Konflikt
verlieren.

*
Die Berichte über die Wahlen in
Israel vom Januar 2003 waren fast ausnahmslos mit Fotos von orthodoxen Juden
bebildert.
So wird eine automatische
Verbindung zwischen Israel und den orthodoxen Juden hergestellt, was die
Realität überhaupt nicht reflektiert. Und wenn wirklich fast alle Zeitungen,
egal wie sie zu Israel stehen, eine solche Verbindung herstellen, dann gibt
es ein Problem. Ohne Klischees geht es offenbar nicht. Ich sage nicht, dass
die Orthodoxen in Israel nicht existieren, aber sie sind nur EIN Element der
israelischen Gesellschaft. Und so zu tun, als bestünde Israel nur aus
Orthodoxen, bedeutet nicht nur den Versuch, Israel politisch zu bewerten,
sondern auch die Gefahr, es „rassisch“ zu
definieren.
*
Das letzte Bild, das auch mit
Orthodoxen Juden zu tun hat, kommt allerdings aus den USA. Am 4. Juni
berichtet der „Tagesspiegel“ über die Vorbereitungen des amerikanischen
Präsidenten Bush auf den Akaba-Gipfel mit Sharon und Abu-Mazen. Neben dem
Bericht wird Bush gezeigt, umzingelt von Orthodoxen Rabbinern. Das Bild
wurde ein Jahr vorher aufgenommen. Warum hat man es jetzt aus dem Archiv
geholt?

Wenn
man bedenkt, dass viele in Deutschland und Europa heute glauben, dass Bush
und seine Administration von der jüdischen Lobby in Amerika manipuliert
werden - um den Irak zu besetzen, zum Beispiel – frage ich mich mit aller
Ernsthaftigkeit, warum man GERADE dieses Bild ausgewählt
hat.
Meine Damen und Herren, ich habe
versucht Ihnen die Problematik zu zeigen, die ich in der Berichterstattung
in Deutschland über Israel sehe. Sicher, meine ich nicht, dass die gesamte
deutsche Presse Israel-feindlich ist. Aber die Behauptung, dass die deutsche
Presse Israel-freundlich ist oder nicht Israel-kritisch sein darf, ist
falsch. Ganz im Gegenteil: Große Teile der deutschen Presse berichten über
Israel bewusst negativ.
WARUM? Diese Frage möchte ich erst mal im Raum
stehen
lassen.