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16. August 2002  
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16. August 2002
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Israel bereitet sich auf Angriff vor
 
Folgt die Vertreibung der Palästinenser? / Von Jörg Bremer

JERUSALEM, 15. August. Die israelische Bevölkerung wird auf einen irakischen Angriff vorbereitet. Seit Wochen schon heißt es, Gasmasken sollten erneuert werden. Während Militärfachleute in anderen Ländern davon sprechen, daß das irakische Gefahrenpotential seit dem Golfkrieg vor gut zehn Jahren keineswegs gewachsen sei, erhalten die israelischen Zeitungsleser einen anderen Eindruck: Saddam Hussein sei stärker denn je und bereit zu einem Schlag mit nichtkonventionellen Waffen gegen Israel als Antwort auf einen amerikanischen Angriff, schreiben die Zeitungen. Zusätzlich zu neuen Gasmasken sollen Israelis, die in der Nähe von Atomanlagen leben, noch Jodtabletten erhalten; sie könnten im Ernstfall vor atomarer Verstrahlung schützen. Auch wenn sie erst in den nächsten Wochen verteilt werden sollen, hat die Ankündigung Besorgnis in der Bevölkerung hervorgerufen. Ist die Panik gewollt?

Zuvor war in den Zeitungen vor allem über das Bemühen der israelischen Regierung debattiert worden, von Washington rechtzeitig vor einem Angriff gewarnt zu werden. Ministerpräsident Scharon soll jetzt nach einem Bericht der Zeitung "Jerusalem Post" die Zusicherung erhalten haben, Israel werde "einige Tage" vor dem ersten Schlag "angemessen gewarnt" werden. Die Zeitung "Haaretz" teilte ihren Lesern mit, Amerika werde Israel zudem rechtzeitig mit neuen Boden-Luft-Raketen vom Typ "Patriot" versorgen. Auch wenn Israel das nicht ausdrücklich verlange, werde Präsident Bush so verfahren, wie es schon sein Vater im Golfkrieg getan habe. Zudem würden neue israelische Arrow-Raketen den Luftraum über Israel schützen. Luftwaffenkommandeur Halutz ergänzte in der Zeitung "Yediot Ahronot", die Armee sei in allen sensiblen Gegenden präsent, um auf irakische Raketenangriffe reagieren zu können. "Ein amerikanischer Schlag auf den Irak kann uns wider Willen in den Krieg ziehen. Ein nichtkonventioneller Führer mit nichtkonventionellen Waffen ist gefährlich", sagte er. Die Zeitung befaßte sich zugleich auf einer ganzen Seite mit weiteren Gefahren, die Israel durch Pocken, Ebola, Milzbrand und Atomwaffen drohen. Wer diese Seite liest, muß Israel vor dem Untergang und sich selbst dem Tod nahe sehen.

Vielen Israelis kommt es schon so vor, als habe der Krieg schon begonnen, und sie fühlen sich als Opfer. Scharon kündigte an, daß Israel bei einem Angriff nicht wie vor zehn Jahren in Deckung gehen, sondern zurückschlagen werde. Die Zeitung "Haaretz" berichtete, der amerikanische Geheimdienst wisse, daß Israel bei einem nichtkonventionellen Schlag, atomar antworten und den "Irak als Land auslöschen" könnte. Solche Schreckensszenarien bleiben nicht unkommentiert. In Israel spiele jemand, "der offen die Flamme der Hysterie" schürt, schrieb "Haaretz" und weist in die Richtung der Regierung und der Armee. Für diese gebe es einen Zusammenhang zwischen einem möglichen Krieg gegen den Irak und der Auseinandersetzung mit den Palästinensern. So habe General Eitan gesagt, "daß ein amerikanischer Schlag auf den Irak auch die Autonomiegebiete beschädigen wird". "Haaretz" fragt deshalb, ob Israel Krieg dazu nutzen könnte, die palästinensische Bevölkerung in einer "ethnischen Säuberung" zu vertreiben.Amerika müsse man schon heute sagen, daß ein Angriff auf den Irak diese Folgen haben könnte, kommentiert "Haaretz".
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.08.2002, Nr. 189 / Seite 6
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